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Prolog
7. April 2005. Ich erwachte früh am Morgen, vielleicht 6.00 Uhr...?
Noch im Liegen begann ich mit meinen morgendlichen Meditationsübungen und mit
den Symbolen, in die ich mich augenblicklich einarbeitete.
Ich war müde und stellte fest, es hatte sich in mir etwas verändert.
Veränderung war nichts neues für mich und gehörte seit sieben Jahren zu meinem
Lebensrhythmus. Anfangs hatte es mich müde gemacht, denn ich leistete Widerstand
und zog mir damit selbst Energie ab.
Seit ich begonnen hatte, mit Steinen zu arbeiten, war sehr viel geschehen und ich
hatte das Gefühl, daß mein Leben davor im Vergleich wie im Zeitlupentempo
abgelaufen war. Oder ich hatte begonnen, in einer derart beschleunigten Zeit zu
leben, die mit einem Zeitraffer Ähnlichkeit hatte.
Gerade jetzt erinnerte ich mich an jenen ersten Traum im Spätherbst des Jahres 1996,
der sich später als wegweisend zeigen sollte. In diesem Traum ging ich durch einen
mit Fackeln erleuchteten, unterirdischen Gang in einer Burg oder einem Kloster. Ich
folgte Brigitte, einer lieben Freundin, in ihrem dunkelblauen, langen Samtkleid, über
das in sanften Wellen ihr langes, blondes Haar ihren filigranen Rücken hinabfloss.
Sie führte mich bis zu einer Holztür, die rechts direkt an den Gang mündete. Dann
drehte sie sich um und wies mit einer graziösen und einladenden Handbewegung auf
die Türe. Ich fühlte ihre Aufforderung, dort einzutreten, aber gleichzeitig auch den
Abschied, denn sie würde mir nicht durch die Türe folgen. Damals machte mich dies
traurig und ich konnte lange nicht loslassen, doch damals überblickte ich auch noch
nicht das Muster und seine Weisheit. Später, Jahre später verstand ich, daß niemand
mir durch diese Türe folgen und meinen Weg gehen konnte...
Als ich Brigittes Geste Folge leistete, öffnete sich die Türe. Ein Mann mit sanften,
von tiefem Mitgefühl und Verständnis erfüllten Augen öffnete mir die Türe.
– 1 –
Er hatte ein markantes Gesicht mit kurzgeschorenen Haaren und ordentlich
gestutztem Vollbart und war wie einer der Tempelritter gekleidet – ein Kettenhemd
mit dem weissen Überwurf und dem roten Tatzenkreuz.
Auch er forderte mich mit einer einladenden Handbewegung auf, einzutreten. Der
Raum, den ich betrat, war im vorderen Teil nur spärlich erleuchtet durch eine Kerze,
die auf einem grob gezimmerten Holztisch stand. Trotz der spärlichen Beleuchtung
und der kargen Ausstattung fühlte ich etwas Heiliges und gleichzeitig Geborgenheit
Vermittelndes in diesem Raum.
Dann folgte mein Blick abermals seiner Hand, die in den hinteren Teil des Raumes
wies. Im Traum stockte mir der Atem. Dort stand, von blendend weißem Licht
umrahmt, ein Holzgestell in dem drei Schwerter steckten in einer Anordnung, daß
ihre Klingenspitzen in der Mitte auf einen gemeinsamen Schnittpunkt wiesen.
Nun richtete mein Gastgeber, der sich Jahre später in der Meditation als Alessandro
vorstellte, ein Freund und Gefährte aus jener Lebenszeit, das Wort an mich. Es war
nur wenig, was er sagte und doch werden mir seine Worte und die Art, wie er zu mir
sprach, unauslöschlich im Herzen bleiben: ”Dies sind die heiligen Gralsklingen. Sie
sind all deine Bemühungen wert.”
Damit war mein Traum zuende und das Abenteuer meines Lebens begann, in dem ich
alles loslassen durfte, was jemals in meinem Leben Bedeutung besass, aber auch alle
Ängste, die irgendwann von mir Besitz ergriffen hatten.
Nachdem ich über den Traum kurz sinniert hatte, begab ich mich unter die Dusche –
zurück ins Hier und Jetzt.
Ich hatte an diesem Tag vor, in Belgien mein Gewerbe als Edelsteintherapeut wieder
anzumelden, nachdem ich mich zu Wochenbeginn in Aachen abgemeldet hatte.
Nachdem ich mich innerlich und äußerlich auf mein Vorhaben vorbereitet hatte, ging
ich gedanklich noch einmal alle Stationen durch und überprüfte, ob ich in meinem
Rucksack alle Dokumente eingepackt hatte, die ich für die Anmeldung benötigte.
Ich wohnte grenznah bei Aachen und wollte, da ich kein Auto besass, mit dem Bus
zunächst wieder bis Aachen fahren, um dort in den Bus nach Eupen umzusteigen.
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Auf meiner Fahrt nach Aachen geschah dann wieder etwas Merkwürdiges, das ich
aber in den vergangenen Jahren immer wieder erfahren hatte.
Erläuternd möchte ich hier hinzufügen, daß ich als Therapeut intuitiv arbeite und
mich von meiner Seelenführung anleiten lasse. Dies habe ich auch immer mehr in
mein tägliches Leben integriert. Ich war oft und lange in die Stille meines Herzens
gegangen, um diese Stimme klar und unverfälscht zu vernehmen, die sich nun
meldete und mir während der Fahrt nach Aachen mit knappen Worten mitteilte: ”Du
meldest heute das Gewerbe nicht an.” Ich war etwas erstaunt, weil ich diesen Hinweis
eher bei der Morgentoilette erwartet hätte, aber ich sollte wohl nach Aachen fahren...
Dort angekommen ging ich zunächst zur Bank, um meinen Kontostand einzusehen.
Er hatte das Vorzeichen immer noch nicht gewechselt. Irgendwo hatte ich beim
Manifestieren von Fülle wohl ein Kapitel überlesen. Aber ich hatte dafür in den
Jahren Gelassenheit, Geduld und Vertrauen gelernt, Fähigkeiten die mir wertvoll
sind. Geld, war doch immer wieder in dem Masse aufgetaucht, wie es gebraucht
wurde.
Die kostbarste Erfahrung aus meiner Situation: ich liebe meinen Beruf und finde
Erfüllung darin, wen oder was ich dabei antreffe.
Als nächstes erledigte ich meine Besorgungen und kaufte Lebensmittel ein. Ich achte
auf bewußte Ernährung und hatte hierzu einen Satz von Brigitte im Gedächtnis
behalten: ”Ich erlaube der Nahrung, meinen Körper zu betreten.” Dieser Satz hatte
seinerzeit mein Körperbewusstsein geweckt und ich bin ihr dafür heute noch dankbar.
Als ich auf die Uhr meines Handys blickte, hatte ich noch 45 Minuten Zeit, um den
Bus nach Hause zu nehmen. Ich überlegte kurz, ob ich auch nichts vergessen hatte.
Da mir nichts einfiel und ich ”zufällig” direkt vor der grössten Buchhandlung
Aachens stand, entschied ich, meinem Impuls zu folgen und wieder einmal
nachzusehen, was es Neues auf dem Literaturmarkt gab. Ich betrat die mehrstöckige
Buchhandlung und begab mich zu dem grossen Mittelbereich mit den
Buchneuvorstellungen.
Gewohnheitsmässig richtete sich mein Augenmerk zunächst auf die Neuheiten im
Bereich der Fantasy-Literatur. Tolkien’s ”Herr der Ringe” hatte vor 25 Jahren viel in
mir ausgelöst und ich fühle mich dieser Literaturgattung noch immer verbunden.
– 3 –
Auch wenn mein eigenes Leben inzwischen für mich spannender geworden war, als
jeder Fantasy-Roman. Begegne ich doch nun den Archetypen in mir...
Als ich einige Bücher mit ihren kurzen Inhaltsbeschreibungen auf dem Paperback
studiert hatte, wurde mein Blick wie magisch von dem grünen Umschlag eines
Romans mit dem Titel ”Der Judasfluch” von Scott McBain angezogen. Als ich das
Buch in die Hand nahm wurde mir kalt und ich begann zu frösteln, noch bevor ich
den Kurzinhalt begonnen hatte zu lesen.
Seit Wochen hatte ich damit zu tun, mich verstärkt in die Energie meiner Überseele
einzuschwingen und mich immer stärker und öfter mit meinem Energienamen Balael
zu identifizieren.
Er war mir erstmals zu Beginn der Harmonischen Konkordanz, einer prägnanten
Gestirnskonstellation in Form eines Sechssterns, im November 2003 mitgeteilt
worden. Damals hatte ich auch die erste Durchgabe meiner Überseele für einen
grösseren Kreis bekommen, obwohl ich doch schon seit Jahren die
Edelsteinbotschaften in den Crystal Readings mit Hilfe Balaels an den Mann oder die
Frau brachte. Eine Freundin hatte mir die Bedeutung des Namens, der aus dem
Hebräischen stammt, nähergebracht: ”der mit dem Feuer wirft”. Durchaus
beziehungsreich, wenn ich auf mein Leben zurückblickte.
Unter Balaels Führung hatte ich in den letzten Jahren von der geistigen Welt immer
öfter Einblicke in ”besondere” Inkarnationen bekommen und dabei viele alte Muster
und Schmerzvolles aufarbeiten können.
Ich hatte zeitweise das Gefühl, als ob dieser Prozess sich dem Ende zuneigte. Selbst
jenes sehr schmerzvolle, aber gleichzeitig liebevollste Kapitel, das vor knapp 2000
Jahren ein so vermeintlich dramatisches Ende gefunden hatte.
Nun sollte ich mich also noch einmal damit auseinandersetzen. All die Bilder jener
Zeit tauchten wieder vor mir auf: Karfreitagsvisionen und Träume, als ich neben
Yeshua Ben Josef am Kreuz hing und sein geneigtes und von Misshandlungen
gezeichnetes Haupt sich gegen den Hintergrund eines purpurvioletten Himmels
abzeichnete...
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Ihn leiden zu sehen und zu fühlen, war schlimmer, als meinen eigenen körperlichen
Schmerz und die Wut und den Spott Anderer, die unter dem Kreuz versammelt waren,
zu ertragen.
Nur Mirjiam, Maria, Jakobus und Johannes liessen mich ihre Liebe und ihr
Mitgefühl spüren, obwohl es ihnen selbst vor Schmerz fast das Herz zerriss.
Mirjiam, besser bekannt unter dem Namen Maria Magdalena, Yeshuas Gefährtin und
Mutter seines Kindes, weinte stille Tränen.
Sie hatte wenig Zeit mit Yeshua verbracht und dafür teilweise noch Eifersucht von
Yeshuas Weggefährten ertragen müssen. Johannes, Jakobus, der Bruder Yeshuas, und
ich, Julian-Judas Ischariot, hatten sie ebenso ins Herz geschlossen, wie Yeshua
selbst. Wir hatten beiden mehr Zeit miteinander gewünscht....
Meine Gedanken schweiften wieder zurück und ich begann in dem Buch zu blättern –
gedankenverloren. Mein Blick fiel auf die Umschlagrückseite. Der Autor
thematisierte die 30 Silberlinge.... wieder setzte die Erinnerung ein, es waren 33
Silberlinge.
Mir fiel in diesem Moment der numerologische Zusammenhang mit der Addition
meines Geburtstages auf, die rein ”zufällig” ebenfalls 33 ergibt.
Meine Gedanken schweiften wieder ab zu einem Aufenthalt in Schottland im Februar
2003. Ich hatte gerade in London meinen letzten Ausbildungsabschnitt als
Edelsteintherapeut beendet und stand am Scheidepunkt meiner Partnerschaft. Meine
Gefährtin und ich hatten gerade einen Monat vorher eine gemeinsame Wohnung
bezogen und ich hatte mir so gewünscht, dass sie mitgekommen wäre. Sie war
zuhause geblieben.
Damals konnte ich die Schönheit ihres Wesens noch nicht erkennen und sie einfach
so lieben, wie sie war, denn ich hatte die Brüche in mir selbst noch nicht geheilt und
suchte im Aussen noch jene Ergänzung, die ich mir selbst im Innen geben musste,
um mit mir glücklich zu sein. Gerade beim Schreiben dieser Zeilen konnte ich
wieder Teile ihres und meines Wesens erkennen und liebevoll annehmen. Sie ist ein
anderer Ausdruck unserer Überseele und war ebenfalls in jene Ereignisse vor 2000
Jahren eingebunden.
– 5 –
Mein erster Traum in Schottland zeigte mir dann, dass ein Zyklus zuende ging und
ich in die Nähe von Bremen ziehen sollte. Immer, wenn ich nach Schottland fuhr,
gingen wichtige Abschnitte meines Lebens zuende. Auch im Jahr 2005 war ich dort
gewesen und es schien, als ob jetzt meine Zeit in Aachen zuende ging...
Doch zunächst ging ich wieder zu den Ereignissen von 2003 zurück. Ich hatte bereits
als Kind ein sehr inniges Verhältnis zu Jesus. Doch es passte in seiner Art nicht zu
der katholischen Erziehung und dem Gottesbild, das man uns versuchte, zu
vermitteln. Er war für mich Bruder. Da ich mich darüber mit niemandem austauschen
konnte, behielt ich diese Sicht und das Gefühl für mich, denn ich wollte mich auch
nicht ständig mit der ”allgemeinen Wahrheit” auseinandersetzen oder laufend
überzeugt werden, daß wohl etwas in mir ”in Ordnung gebracht” werden müsse.
Ich liebte Jesus einfach und fühlte mich der Energie meines ”grossen Bruders” nahe.
Später, als meine Zeit als Reiki-Lehrer begann, fühlte ich, dass er bei den
Einweihungen stets präsent war. So intensiv, dass es manchmal Schülern auffiel und
sie mich darauf ansprachen – ”es war, als ob Jesus die Hände mit aufgelegt hätte.”
Dann im Februar 2003, als ich abends vom Fenster meines gemieteten
Ferienhäuschens in den Western Highlands aufs Meer blickte, endlich wieder
”zuhause” in meiner Herzensheimat Schottland, wo ich in ganz besonderer Weise mit
der Erde verbunden bin, wurde mir von der geistigen Welt eröffnet, dass ich zu den
Zwölfen gehöre, die sich als Kreis um Yeshua versammelt hatten und welche Rolle
ich in jenen Ereignissen spielte.
Zunächst war ich schockiert. Die anerzogene Bewertung aus Kirche und Gesellschaft
verstellte mir fürs Erste den Blick auf das, was wirklich passiert war. Aber an jenem
Abend begann ich auch zu begreifen, welch umfangreiches Lügengebilde um den
gesamten Ablauf der Ereignisse um Yeshuas Leben und Sterben gewoben worden war
und wie ich meine Rolle in Wahrheit zu sehen hatte.
Wie wichtig dieser Umstand wurde, erlebte ich in diesem Leben, als zu einem meiner
Edelstein-Readings eine Frau kam, bei deren Eintritt in den Raum in mir das
Energiebild von Kaiaphas, dem Hauptankläger Yeshuas und Redeführer der Sadduzäer
aufstieg, den ich auch sofort wiedererkannte.
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Sie hatte in diesem Leben keinen rechten Bezug zu Jesus gefunden und fühlte sich,
trotz der christlichen Erziehung, in diesem Religionsfeld nicht wohl.
Wir spürten beide Yeshuas Gegenwart in diesem Moment. Ich blickte sie an und
sprach seine Worte: ”Bitte vergib dir selbst und achte dich liebevoll. Erkenne, daß
auch du nur eine Rolle in diesem Spiel gespielt hast.”
Ohne auf Details zu sprechen zu kommen, wussten wir beide, wovon die Rede war.
Sie ging sichtlich erleichtert fort und wir haben uns nicht mehr gesehen.
Es war alles gesagt...
Doch damals kannte ich selbst meine Rolle noch nicht. Ich war Medium, Botschafter
und einfach glücklich, die Liebesschwingung von Jesus so stark und intensiv
wahrzunehmen und sie auch weitergeben zu können, ohne grosse Worte darüber zu
verlieren.
Aber 2003 in Schottland haderte ich. Ich befragte meine Seelenführung, warum ich,
auch in der Folge weiterer Leben, so oft die Rolle des gesellschaftlichen
Herausforderers, des vermeintlich ”Bösen” übernommen hatte. Die Antwort
überraschte und berührte mich gleichermassen: ”Weil du es aus und mit Liebe getan
hast. Oft hast du dadurch für dich und andere schwere karmische Verwicklungen
verhindern oder auflösen können.”
Ich erinnerte mich, wie ich wenige Tage vorher als Fallstudie in meiner Ausbildung
eine Behandlung für meine Freunde in Schottland durchgeführt hatte. In dieser
Behandlung verabschiedete sich ihr bei einem Unfall 1997 ums Leben gekommener
Sohn endgültig ins Licht. Sie hatten es immer wieder genossen, ihn intensiv
wahrzunehmen und selbst ich hatte ihn für kurze Augenblicke als Astralwesen
wahrnehmen können.
Während der Behandlung bekam ich das Bild einer geschlossenen Tür in einem
erleuchteten Rahmen, die frei in einem verregneten, grauen Steinfeld stand. Vor der
Tür lag ein kleiner Stoffhase, das Lieblingstier seiner Mutter. Es brach mir fast das
Herz, ihnen von diesem Bild zu erzählen, doch es half meinen Freunden, loszulassen.
Heute können sie Andrew wieder wahrnehmen, aber in einem freien Austausch und
ohne Wehmut.
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Wieder kehrte ich in den Augenblick zurück. Ich fühlte in der Buchhandlung
zwischen all den Menschen, daß mich die Vergangenheit, die sich im Aussen
abgespielt hatte sowie all die Bewertungen, die auf Judas Ischariot seit 2000 Jahren
lasten, noch einmal einholen würden, der ”klassische” Verräter. Nachdem ich mich
2003 mit meinen Bewertungen dieser Rolle auseinanderzusetzen hatte, stand nun die
Auseinandersetzung mit der kollektiven Bewertung des Judas an und es würde sich
zeigen, ob ich wirklich all den Ballast der Bewertungen hinter mir gelassen hatte.
Mir war kalt und ich entschied zunächst, den Buchkauf auf den nächsten Tag zu
verschieben. Zuhause angekommen kochte ich mir erst einmal eine Tasse Tee.
Inzwischen hatte es zu regnen begonnen. Wasser bringt die Gefühle in Bewegung und
die Erde ist in Resonanz zur Klärung der Emotionalkörper von vielen Menschen, die
augenblicklich in starken Gefühlsschwankungen stehen, hatte mir meine
Seelenführung in therapeutischer Hinsicht zu verstehen gegeben.
Zu meiner Gefühlslage passte das Wetter jedenfalls hervorragend und mir kam in
kurzer, emotionaler Aufwallung jenes Wort über die Lippen, mit dem wir gerne
unseren Unmut äussern, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns gewünscht haben.
Aber in meinem Innersten wusste ich, daß der Zeitpunkt der Auseinandersetzung
passte. War ich dazu bereit?
Ich hatte mich bemüht, das zu leben, wovon ich auch in den Seminaren sprach.
Wenn ich selbst vor mir glaubwürdig bleiben wollte, durfte ich gerade an diesem
Punkt der Auseinandersetzung nicht ausweichen. Ausserdem gehörte es nicht zu
meiner Eigenart, einer anstehenden Auseinandersetzung, zumal mit mir selbst, aus
dem Weg zu gehen.
Ich machte es mir mit meinem Tee im Bett bequem, kuschelte mich ein und knipste
meine Salzkristalllampe an. Das gemütliche, orangefarbene Licht füllte allmählich
meinen Gefühlskörper wieder mit kraftvoller Energie und ich begann, mich mit
meiner Überseele intensiv zu verbinden, um nach Bildern und Informationen in
meinem seelischen Erinnerungsspeicher zu forschen, die mir Erklärungen für die
Vorgänge in Palästina oder frühere Zusammenhänge liefern könnten.
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Kaum hatte ich mich ausgerichtet, kamen die Informationen und Bilder und ich
begann, die Geschichte meiner Leben niederzuschreiben, so wie Balael sie mir im
Überblick lieferte, doch mit der Inkarnation des Judas sollte es beginnen.
Der Ursprung der Ereignisse und Machtspiele um Yeshua lag weiter zurück, etwa
13000 Jahre in der Endphase von Atlantis. Ausgangspunkt waren zwölf
Drachenritter, die das Erbe und Vermächtnis des Drachenordens und die Drachen
selbst von einem Planeten namens Gross-Orgon auf die Erde gebracht hatten, als die
Aussaat ersten Bewusstseins auf der Erde verankert wurde. Diese zwölf waren von der
Entwicklung der Machtspiele in Atlantis und ihrer eigenen Ego-Entwicklung so aus
ihrer Mitte gerissen, dass sie einfach vergessen hatten, wie innig sie ihr Herzensband
untereinander, mit dem Herzen der göttlichen Quelle und dem von Terra Gaia
verband.
Es ging um Frauen und um Macht, das Haben-Wollen stand oben an. Eine Situation,
vor der die zwölf auch in diesem Leben wieder stehen – zwölf menschliche Siegel.
Wie werden sie sich diesmal entscheiden? Für Vergebung, Liebe, Miteinander,
Achtsamkeit...
Werden Grenzen geachtet oder ist wieder Mißbrauch an der Tagesordnung? Damals
hätte das Schicksal von Atlantis gewendet werden können, aber im entscheidenden
Moment waren sich zwölf sehr machtvolle Menschen nicht bewußt, wie weit sie von
ihrem Herzen entfernt waren. Sie fällten Entscheidungen aus dem Kopf und sie hatten
Ängste, die sie sich selbst und anderen nicht eingestehen wollten. So bildeten sich
Grüppchen verschiedener Interessenvertreter (Ähnlichkeiten mit der heutigen Politik
sind rein ”zufällig”...).
Die Interessen des Grossen Ganzen, des göttlichen Planes wurden hintangestellt.
Ausserirdischer Einfluss aus den Handelsbeziehungen von Atlantis kam erschwerend
hinzu.
Geheimnisträger handelten verantwortungslos und spielten ausserirdischen
Gruppierungen, zum Preis von niederer Technologie, Kenntnisse über die
Manipulationsmöglichkeiten im mentalen und vor allem im emotionalen Bereich der
Menschen in die Hände, vor allem auch über das Blut und damit die DNS (etwas, das
heute auch über „Impfungen“ durchgeführt wird).
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Der Preis den wir alle für den Vertrauensbruch zu zahlen hatten, war hoch... bis in
die heutige Zeit.
Dann kam vor etwa 2000 Jahren die Wende. Yeshua lebte Liebe unter allen
Umständen und Herausforderungen vor, war aber zugleich politisch eine hoch
brisante Persönlichkeit, denn er stammte aus dem königlichen Hause David. Er ließ
sich nicht auf Machtspielchen ein und liess weder Kontrolle noch Gängelung für sich
zu, obwohl er sich den administrativen Gesetzen nicht widersetzte. Ich habe ein Bild
in meinem Erinnerungsspeicher von einer Veranstaltung Yeshuas in einer Synagoge,
als sich zwei Besucher unter die Arkaden zurückzogen und der eine zum anderen
sagte: ”Nun wird er uns wirklich gefährlich. Wir müssen handeln.”
Yeshua hatte über den Ämterkauf und die damit verbundenen Geldgeschäfte
gesprochen und etwas der Öffentlichkeit preisgegeben, was hohen Würdenträgern der
Priesterkaste, bezüglich der Eignung für ihre Ämter und ihrer Glaubwürdigkeit, im
öffentlichen Ansehen sehr schadete.
Gleichzeitig hatte er aber auch die alten Kontrollkräfte an einem empfindlichen Nerv
getroffen, wie es heute auch der Fall wäre. Yeshua war zuletzt nur noch in seiner
Essenergruppe sicher und er sorgte sich um seine Gefährtin, sein Kind, seine Freunde
und all jene Menschen, die bereit waren, das zu leben, was er vorlebte. Dazu gehörte
auch, sich mit den Geschehnissen um sich herum auseinanderzusetzen. Yeshua
bewertete nicht, aber er zeigte Unwahrheit und Unrecht auf und brachte
Zusammenhänge ans Licht. Er lebte Wahrheit, also zeigte sie sich ihm auf allen
Ebenen. Seiner Verbindung zur göttlichen Quelle blieb nichts verborgen.
So wie er sich in seiner Lebenszeit mit der kollektiven Bewertung seiner Person
auseinandersetzen musste und letzten Endes dafür ans Kreuz ging, so stand mir nun
die Aufarbeitung all der kollektiven Bewertungen meiner Rolle ins Haus. Alles, was
an Negativität und Angst, Wut und Mangel an Selbstverantwortung für ihre Gefühle
und ihr Denken von Menschen auf Judas projiziert worden war, fühlte ich nun.
Wenn ich nicht von der geistigen Welt achtsam auf diesen Moment vorbereitet
worden wäre, wäre ich an dieser Last vielleicht zerbrochen. Gefühle von Dankbarkeit
und Vertrauen für meine Führung stiegen wieder einmal in mir auf und ich erinnerte
mich an etwas ähnliches, das wenige Jahre zurücklag.
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Ich hatte begonnen, mich nach anfänglich grosser Scheu (wohl ebenfalls ein
nachhaltiges Resultat streng katholischer Erziehung) der Luzifer-Energie zu öffnen.
Als ich begonnen hatte, mich mit Farben auseinanderzusetzen, kam ausgerechnet als
erstes die Farbe schwarz, Luzifer...
Als es mir gelang, aus alten Bewertungen dieses Erzengels auszusteigen und mich
wirklich vorurteilsfrei der Energie öffnete, wurde mir die wahre Geschichte Luzifers
aus der göttlichen Ebene in die Erinnerung gerufen.
Bevor wir alle, Gott, uns zu diesem Spiel der Erfahrungen entschlossen und wir, um
uns selbst im Spannungsfeld der Dualität und Polarität zu erproben, die Illusion der
Dunkelheit erschufen, wollten wir sicher sein, daß alle aus diesem Spiel wieder ”heil
nach Hause” finden.
Aus dem Meer des weissen Lichts, der göttlichen Quellenergie und Essenz des
Heiligen Grals, wurde Luzifer, ”der Lichtträger”, ausgesandt, um als erstes
individualisiertes Bewußt-Sein die Dunkelheit zu durchqueren und das Licht und die
göttliche Liebe am anderen Ende zu verankern.
Sich dieser Energie offen und vorbehaltlos zu nähern, brachte mir und all jenen, mit
denen ich mich vertrauensvoll darüber austauschte, tiefe Liebe und Verständnis für
uns selbst und andere im Umgang mit unseren Schattenseiten.
Das morphogenetische Feld Luzifer ist angefüllt mit Wut und Traurigkeit, aber die
hohe göttliche Energie in Luzifer hält die Göttliche Liebe und das Licht im Pol der
Dunkelheit.
Luzifer lehrte mich, indem er mich sanft mit Dunkelheit umgab und damit alle
Fremdeinflüsse von außen ”abschaltete”, mein eigenes, starkes und wundervolles
Licht zu sehen.
Ich verstand mehr und mehr, daß Gut und Böse, schwarz und weiss, Schuld und
Bewertungen eine rein menschliche Erfindung sind, die uns in den Grenzen des
Karmas und damit an die alten Spielregeln fesselten. Es erinnerte mich auch an das
System feingesponnener Ängste, das einige wenige sich in Atlantis ausgedacht
hatten, um das Spiel zu kontrollieren.
Heute geschieht ähnliches, doch nun offenbaren sich die Kontrolleure und ihre
wahren Absichten selbst, wie aus den Ereignissen vom 11. September 2001 und den
– 11 –
Folgegeschehnissen bis hin zum Irakkrieg nachvollziehbar wurde.
Braucht die Welt Führer, wenn alle mitfühlend und achtsam miteinander umgehen?
Diese Frage warf Yeshua durch seine Präsenz überall auf, da er Selbstverantwortung
und Achtsamkeit vorlebte.
Yeshua sprach in Gleichnissen, die es seinen Zuhörern erlaubten, sich daraus jene
Weisheit und Erkenntnis zuzuführen, die für sie und ihre Zeit zuträglich war, aber
auch ihren Erfahrungsweg unverändert fortzusetzen, wenn sie dies wollten. Er achtete
die Freiwilligkeit eines jeden, weil er die Menschen liebte. Ausserdem wusste er,
dass er nichts in Ordnung bringen oder halten musste. In seiner ätherischen Essenz
als aufgestiegener Meister begleitet er uns auch heute noch gerade zu den Themen
Liebe, Achtsamkeit, Toleranz und Wahrheit vor allem auch, authentisch zu sein, sich
selbst und der eigenen Wahrheit treu zu bleiben.
Doch nun zu den Geschehnissen und Bildern jener Zeit vor 2000 Jahren, so wie sie
mir aus meiner Chronik zufliessen. Für mich ist es kein ”Vorleben” sondern alles
findet ”gleichzeitig” statt. Ich kann den historischen Ablauf nicht verändern, aber
meine Wahrnehmung ist heute eine andere und ich fühle, daß sie mit den
Erinnerungen zusammenfliesst. Ich weiss nicht, was dabei herauskommt, aber ich
begebe mich in das Abenteuer des Erinnerns...
– 12 –
Kapitel 1
Begegnung
Mein Leben als Judas Ischariot hatte nicht in Palästina seinen Ausgangspunkt,
sondern im rauhen Norden des schottischen Hochlandes. Ich kam als siebtes Kind
eines piktisch-schottischen Clanhäuptlings zur Welt, wurde Julian genannt und
aufgrund meiner hellsichtigen und hellfühligen Anlagen, die früh erkannt worden
waren, den Druiden der namhaften Akademie von Place, nahe Glastonbury, zur
Ausbildung und zum Dienst an der Muttergöttin übergeben.
Ich empfand von Anfang an tiefe Freude und Liebe für diesen Dienst, meine Lehrer
und die Erde selbst. Eine Liebe und Dankbarkeit für alles Leben, das schon vor
meiner Inkarnatioskette auf der Erde seinen Ursprung hatte.
Ich ging in Place ganz in meiner Arbeit auf und lernte mit Hingabe und
Begeisterung. Vor allem die Arbeit mit Steinen, Kristallen und Bäumen sowie alle
heilerischen Disziplinen der Druidenarbeit lagen mir besonders. Schnell durchschritt
ich die Ausbildungshierarchie und wurde bald von meinen Druidenlehrern und dem
Erzdruiden von Place zur Ausbildung von Neuankömmlingen herangezogen.
Hohe Einweihungsrituale an den Kraftorten von Glastonbury, Stonehenge, Avebury
und an der Küste Cornwalls sowie in den Bergen von Wales verstärkten meine
Fähigkeiten und meine Wahrnehmung sowie die Kommunkationsfähigkeit mit der
Natur, den Naturwesen und den Energien aus der geistigen Welt schon in jungen
Jahren.
So vergingen die ersten Jugend- und Mannesjahre mit freudvollen Erfahrungen und
täglich neuen Erkenntnissen. Mein Leben in der Akademie war bunt und
ereignisreich und ich hätte um keinen Preis mit anderen getauscht.
Doch eines Nachts geschah Merkwürdiges in mir, es baute sich ein besonderer
Spannungsbogen in meinem Gefühlskörper auf und meine außersinnliche
Wahrnehmung wurde auf höchste Konzentration gestellt.
– 13 –
Wir hatten in Place seit Tagen aussergewöhnliche Gestirnskonstellationen
beobachtet, die uns auch die Brüder und Schwestern aus Stonehenge bestätigten und
im Gefühlsfeld aller Verantwortlichen in der Akademie kündigte sich etwas
Besonderes an. Es wurden Vermutungen geäussert, aber keiner bekam klare
Aussagen, also blieben wir gespannt und in einer gelassenen Konzentration.
Am nächsten Morgen erhob ich mich früh und begann mit besonderen Meditationsund
Ausgleichsübungen, um den Spannungsbogen nicht noch mehr anwachsen zu
lassen. Ich legte mir einen Steinkreis aus Feldsteinen und einem inneren Kreis aus
Bergkristallen sowie zwei Hämatit-Skarabäen, die uns unsere phönizischen
Handelspartner aus Ägypten mitgebracht hatten.
In kurzer Zeit kam ich wieder ganz in meiner Mitte an und begann, aus diesem
Gleichgewicht heraus mit der Tagesenergie Kontakt aufzunehmen und das Potenzial
zu erfühlen. In meinem Kopf flammte für einen kurzen Moment das Wort
”BEGEGNUNG” auf. Ich konnte mir allerdings noch keinen Reim darauf machen,
denn wir erwarteten in der Akademie weder Besucher noch Neuankömmlinge, auch
unser Küchendruide hatte keine Verköstigungsgäste auf seinem Plan.
Gäste stellten zwar grundsätzlich kein Problem dar, denn Place war immer gut
bevorratet. Doch wusste man doch gerne, ob grössere Mengen von Nahrung
gebraucht wurden und ob es Bedarf an frischen Kräutern und Gemüse oder Obst gab.
Die Akademie verfügte über eigene Brunnen und baute die wichtigsten
Nahrungsmittel in der Umgebung selbst an.
Es war ein regnerischer Tag, feine Tropfen fielen wie ein Schleier über das Land und
tauchten es in eine sanfte, melancholische Stimmung. Ich war vom Erzdruiden
ausgesandt in den nahegelegenen Hafen, der immerhin aber noch eine halbe
Tagesreise entfernt war. Ich deckte mich mit einigen Lebensmitteln und frischem
Wasser ein, bevor ich mich auf den Weg machte. Ein Bauer mit seinem
Ochsengespann war so freundlich, mich mitzunehmen. Der Regen fiel wie
feingesponnene Seidenfäden und selbst unsere eingefettete Kleidung hielt der Nässe
nicht allzulange stand. Nach einer Weile hatte der Himmel Erbarmen und es hörte auf
zu regnen, doch es blieb bedeckt und trüb.
– 14 –
Trotzdem waren der Bauer und ich in spannende Gespräche verwickelt, die mir
während der Fahrt interessante Inhalte über das Wachstum der Pflanzen aus seiner
einfachen Betrachtung vermittelten. Es tat mir gut, seine erdverbundenen
Standpunkte wahrzunehmen und mich damit auseinanderzusetzen. Insofern nahm ich
gerne die Gelegenheit wahr, mich wieder einmal mit einem Menschen auszutauschen,
der sich in seiner Arbeit den Naturgewalten gegenübersah und sich ihnen, ohne
druidische Hilfsmittel und Kenntnisse, stellen musste. Kurzum wir genossen
beiderseits unseren anregenden Gedankenaustausch und liessen das Wetter ohne
Beurteilung.
Gegen den frühen Nachmittag erreichten wir den Hafen mit seiner geschützten Bucht.
Je näher wir dem Meer gekommen waren, umso stärker war ein böiger, vielfach die
Richtung wechselnder Wind aufgekommen. Ich bemerkte, wie auch die Energien sehr
stark wechselten und sich schnell Spannungsfelder und Entspannungsfelder
aufbauten.
Die Winde trieben wahre Wolkenberge grauer Regenwolken vor sich her und der
Himmel war in alle Schattierungen von Grau getaucht. Je nach Windrichtung zeigten
die Gräser sich einmal von der hellgrünen Unterseite oder erschienen als wogendes,
dunkelgrünes Meer, womit sie dem wässrigen Kollegen an diesem Tag echte
Konkurrenz machten.
Ich erinnerte mich wieder an meinen Auftrag. Wir erwarteten in Place eine
umfangreiche Lieferung fremdartiger Gewürze aus den orientalischen Anbaugebieten
durch unsere phönizischen Freunde. Zudem sollte ich infolge meiner Hellfühligkeit
in diese Richtung wahrnehmen, was es mit der Spannung auf sich hatte und ob es
von der Seeseite her dafür eine Erklärung gab. Unsere sonstigen Auskunftsmethoden
versagten an dieser Stelle und wir fügten uns durch liebevolles Annehmen.
Ich begab mich in Richtung der Anlegeplätze. Der Hafen stellte eine natürliche,
geschützte Bucht dar. Es gab drei mit Steinen befestigte Anlegeplätze für grössere
Schiffe und zahlreiche kleinere aus Holz für grössere Fischerboote. Ich beobachtete
das rege Treiben im Hafen, denn infolge der schweren See waren weniger
Fischerboote unterwegs. Plötzlich fühlte ich in mir eine freudige Erregung und
Anspannung, die ich mir nicht erklären konnte.
– 15 –
Ich wandte meinen Blick auf das aufgischtende Meer und blieb an einer Stelle des
Nebelvorhanges hängen. Wenige Augenblicke später zeichneten sich dort
schemenhaft die Umrisse einer grossen Galeere ab, deren Ruderer sich mit dem
ungestümen Meer und der beginnenden Brandung abmühten. Der Kapitän hatte die
Segel wohl längst eingeholt, denn er hätte bei den ständig wechselnden Winden
laufend Kurskorrekturen vornehmen müssen. Daher mühte sich nun seine
Rudermannschaft. Es handelte sich um ein phönizisches Kauffahrerschiff, das an der
Form seines Rumpfes erkennbar war, also konnte man wohl von freien Ruderern
ausgehen. Allmählich richtete sich auch die Aufmerksamkeit der im Hafen
Anwesenden auf die Galeere und alle verfolgten die Manöver des Schiffes, um sicher
an seinen Anlegepunkt zu gelangen.
Das Schiff war beladen, was an seinem Tiefgang abzulesen war. Wären Mannschaft
und Kapitän weniger erfahren gewesen, hätten sie das Risiko gescheut, bei der
kabbeligen See so nah ans Ufer zu fahren und eventuell auf Grund zu laufen. Doch
Kapitän und Mannschaft kannten dieses Gewässer und verhielten sich sehr routiniert.
Als das Schiff vertäut war, wurde ein Seitenplanke geöffnet, um den mitreisenden
Passagieren den Weg frei zu machen. Es betraten zwei Männer den Boden, bei deren
Anblick mein Herz einen Freudensprung machte, obwohl ich einem der beiden nur
zweimal flüchtig in Place begegnet war, ihn aber aufgrund seiner Ausstrahlung und
sanften Bescheidenheit sehr mochte. Es handelte sich um den wohlhabenden
jüdischen Kaufmann Josef von Arimathäa, einen guten Freund des Erzdruiden und
der ganzen Akademie, dem wir alle infolge seiner Großzügigkeit immer wieder
besondere Erkenntnisse verdankten. Er brachte uns Geschenke aus entfernten Winkeln
dieser Welt mit, um unsere Forschungen zu erweitern und manchmal einfach, um
uns eine Freude zu machen.
Er hatte bei einem seiner letzten Aufenthalte angekündigt, daß er gerne einmal seinen
Neffen, Yeshua Ben Josef, der gleichzeitig sein Patenkind war, mitbringen würde.
Als Josef und Yeshua das Schiff verliessen, durchbrach die Sonne für kurze Zeit die
Wolken und ein schier unwirkliches Szenario eines grau-blauen Himmels schien uns
alle jenseits von Raum und Zeit zu versetzen.
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Ich ging den Beiden erwartungsfreudig entgegen. Josef’s Augen waren von tiefer Güte
und strahlten Frieden aus, obwohl auch die Müdigkeit der strapaziösen Reise in ihnen
zu lesen war. Doch als ich in Yeshuas Augen blickte, raubte es mir fast den Atem.
Es war, als ob ich einen Teil von mir selbst erblickte. Tiefe innige Freude des
Wiedererkennens und Wiederfindens war in mir. Wir blickten uns an und obwohl wir
uns noch nicht einmal vorgestellt hatten, umarmten wir uns innig und voller Freude.
Es war wie eine Begegnung jenseits von Raum und Zeit. Mein Herz und Yeshuas
Herz tauschten in diesem Augenblick altes Wissen aus. Gleichzeitig erinnerten wir
uns an Versprechen, die wir uns gegeben hatten, bevor es die Zeit gegeben hatte.
Vor lauter Freude hatte ich beinahe meinen Auftrag vergessen, mich auch um die
Gewürzlieferung zu kümmern, doch Josef und der Kapitän, der inzwischen ebenfalls
an Land gegangen war, waren so freundlich, mich daran zu erinnern.
Yeshua und Josef verabschiedeten sich herzlich vom Kapitän und jenen Teilen der
Mannschaft, die ebenfalls an Land gegangen waren. Aus der Art ihres Abschieds war
zu erkennen, daß sie nicht zum ersten Male gemeinsam gereist waren.
Ich nahm inzwischen die umfangreiche Gewürz- und Kräuterlieferung in Empfang
und malte mir die Freude jener Kollegen aus, die schon darauf warteten, diese genau
zu inspizieren, die Signaturen herauszufinden, und wie sie diese einsetzen konnten,
um Gleichgewicht herzustellen. Ich arbeitete mit den Steinen und Kristallen eng mit
ihnen zusammen und wir tauschten uns oft und gerne über unsere Erkenntnisse und
Erfahrungen bezüglich des Erschaffens und Erhaltens von innerem und äußerem
Gleichgewicht aus.
Nach der Verabschiedung machten wir drei uns auf den Weg nach Place. Mit Pferden
konnten wir noch vor Einbruch der Nacht dort sein. Josef hatte hierfür bereits eine
spezielle Anlaufstation. Infolge seiner immer wiederkehrenden Besuche in Place
hatte er sich ein Depot bereitstellen lassen und wir verfügten schnell über drei
ausgeruhte Pferde, die Josef bei seiner Abreise wieder mitzurücknehmen würde.
Da Josefs Art allen gegenüber sehr grosszügig war, fand er immer bereitwillige
Helfer, die er ebensowenig um einen Dienst bitten musste, wie ihn jemand um
einen Gefallen zu bitten hatte. Er erkannte einfach, was notwendig war oder womit er
Freude bereiten konnte.
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So gelang es uns, nach einem schnellen Ritt, kurz nach der Abenddämmerung in
Place einzutreffen. Es hatte am späten Nachmittag aufgehört zu regnen und die Sonne
hatte sich nach Tagen wieder einmal gezeigt. Es war schön gewesen, Yeshua beim
Reiten zuzusehen. Sein Einssein mit dem Pferd war für mich fühlbar und auch wie
freudig das Tier auf ihn und seine Richtungswünsche reagierte.
Als wir in Place ankamen, hatten sich die meisten Druiden und Adepten schon
zurückgezogen und es waren nur noch Neuankömmlinge der Schüler mit
Aufräumungsarbeiten bzw. Meditationsübungen beschäftigt. Trotzdem liess es sich
der Erzdruide nicht nehmen, Josef und Yeshua zu begrüssen, als er von ihrer Ankunft
in Kenntnis gesetzt wurde.
Der Empfang war ebenso herzlich, wie ich das aus der Vergangenheit zwischen Josef
und unserem Oberhaupt kannte. Lange fiel der Blickkontakt zwischen Yeshua und
dem Erzdruiden aus. Ich las aus beider Augen innige Anteilnahme und Respekt
füreinander.
Dann umarmte der Erzdruide auch Yeshua voller Herzlichkeit und hiess ihn in Place
willkommen. Der Ehrwürdige Vater, wie unser Erzdruide liebevoll in der Akademie
tituliert wurde, liess noch eine Mahlzeit für uns bereiten und wies die Novizen an,
sich um das Gepäck zu kümmern.
So ging dieser ereignisreiche Tag allmählich zuende. Es gab viel zu erzählen und
Wiedersehensfreude zu leben, aber unsere Besucher waren müde von der Reise und
benötigten Ruhe. Noch einmal umarmten wir uns herzlich und verabschiedeten uns
bis zum nächsten Tag.
Als ich meine Räumlichkeiten betrat, die gleichzeitig auch Sammel- und Lehrräume
für die Arbeit mit den Kristallen darstellten und eine kleinere Bibliothek mit
Schriftrollen und meinen eigenen Aufzeichnungen und Erkenntnissen enthielt,
konnte ich noch keine Ruhe finden. Es war pure, überschäumende Freude in mir, die
nach Ausdruck verlangte. Ich begann, in der Meditation diese Freude auszustrahlen
und alles Sein miteinzubeziehen, teilhaben zu lassen. Ich fühlte die Resonanz der
Steine und dankte ihnen, wie so oft, für die Liebe der Erde, die sie mit ihrer
Wesenhaftigkeit wirklich werden lassen und zum Ausdruck bringen.
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Allmählich gelang es mir, mich in die Stille meines Herzens zurückzuziehen und als
die Bilder des Tages noch einmal an mir vorbeigezogen waren und ich alles achtsam
angenommen hatte, konnte ich auch die tiefe Herzensfreude in die Stille führen.
Ich fühlte noch einmal, daß dieser Tag einen Wendepunkt in meinem Leben
darstellte. Ich dankte der Muttergöttin und auch dem männlichen Teil Gottes für die
Schönheit, die Fülle und die Erfahrungen dieses Tages. Nun begann auch ich die
Müdigkeit des Körpers zu fühlen und sanft glitt ich hinüber in die Anderswelt. In
dieser Nacht öffnete sich mir in besonderer Weise der Smaragd, sein Wesen, seine
Strukturen, seine Aufgaben und sein wundervolles Heilerpotential. Er ließ mich
meine Aufgabe erkennen und füllte mein Herz mit liebevoller Heilungsenergie und
Trost für alles was ist. Ich erinnerte mich und verstand mit dem Herzen, ich hatte an
diesem Tag in tiefgründige, liebevolle und mitfühlende, grüne Augen geblickt und
mich dabei in meiner ganzen Wesenstiefe berühren lassen. Ich erkannte bereits zu
diesem Zeitpunkt eines der besonderen Geschenke Yeshuas. Jeder, der sich für ihn
öffnete und sich in all seiner Wesenhaftigkeit von ihm berühren liess, erkannte sich
selbst in seiner Grösse und Schönheit in ihm wieder. Yeshua stellte einen
Seelenspiegel dar, der jeden nur an seine Reinheit und göttliche Vollkommenheit
erinnerte, frei von Bewertungen und getragen von höchster, göttlicher
Liebesausstrahlung.
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Kapitel 3
Der Abschied von Place
Obwohl ich sehr müde war, liess mich mein Gefühl bezüglich Yeshuas Umarmung
noch nicht zur Ruhe kommen. Was war geschehen? An jenem Abend in den
Assyntbergen, als Luzifer uns führte, hatten wir beide in die Schatten geblickt. Auch
in jene der Zeit.
Danach war jeder bei sich geblieben, denn dieses Erlebnis hatte uns sehr tief berührt.
Jeder hatte Achtung vor dem anderen, weshalb wir uns nicht über diese Bilder
ausgetauscht hatten. Doch mir war auch meine Bestimmung klar, soweit sie mir
gezeigt worden war. Hatte Yeshua mehr gesehen? Zum ersten Mal in diesem Leben
fühlte ich Verlustangst. Ich konnte mir ihren Ursprung nicht erklären, nahm mir aber
vor, mit Yeshua darüber zu sprechen.
Nach dem abendlichen Meditationsgebet, das mich ebenfalls Yeshua gelehrt und das
ich gerne übernommen hatte, schlief ich sanft ein. Doch mein Schlaf war unruhig
und ich wachte öfters auf.
Ein Druck senkte sich auf mein Herz und das Wort ”VERRAT” erschien in
purpurroten Buchstaben vor einem flammenden Herzen in meinem geistigen Auge.
Der Druck wurde schier unerträglich. Ich erwachte noch müder, als ich eingeschlafen
war und entzündete mein kleines Öllämpchen auf meiner Holzablage. Es musste
wenige Stunden vor Morgengrauen sein. Ich hörte von draussen den Klang des
Holzstockes des Lehrerdruiden, der die Novizen bei der Disziplin des Stocksitzens
beaufsichtigte. Sie hielten mit beiden Händen einen Stock vor sich, bei dieser
manchmal Tage dauernden Disziplin. Immer wenn sie aus ihrer geraden Sitzposition
fielen und der Stock nicht mehr senkrecht stand, näherte sich der Lehrer und schlug
leicht mit seinem Stock gegen den Stock des Novizen, damit dieser wieder seine
gerade Sitzposition einnahm.
Ich nahm verschiedene andere Geräusche wahr und versuchte, mich auf die
Aktivitäten der Tiere zu konzentrieren, doch der Druck blieb in meinem Herzen.
VERRAT. Ich hatte weder mit dem Begriff noch mit dem Wesen des Verrates
Erfahrung.
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Uns waren in den Assyntbergen Bilder vom Untergang der atlantischen Kultur
gezeigt worden, die sich auf Verrat begründeten. Hatte es damit zu tun?
Ich fiel wieder in einen leichten, unruhigen Schlaf und begann, zu frösteln. Etwas,
das ich schon geglaubt hatte, hinter mir zu lassen, nachdem diese Reise vorbei war.
Doch es war mehr ein inneres Frösteln und es kam aus meiner Seelenebene, wie ein
leises Erzittern. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß diese
Erfahrung in diesem Leben zu meinem Erfahrungsbogen gehörte, doch ich konnte
nur bedingt Einblick in das grosse Muster bekommen. Ich wusste lediglich, dass
mein Lebensfaden mit dem Yeshuas bis zum Ende dieses Lebens verknüpft war, was
mich glücklich gemacht hatte. Woher kam dieser Missklang? Ich fühlte mich nicht
mehr im inneren Gleichgewicht und konzentrierte mich auf meinen weiblichen,
hingebungsvollen Anteil.
Allmählich kehrte wieder Ruhe in mir ein und mein Atem wurde regelmässig und
ging wieder bis in die Tiefe meines Körpers. Die Energie floss wieder durch alle
Energiezentren und ich fühlte, wie ich mich entspannte. Nach wenigen Atemzügen
war ich tief eingeschlafen.
Als ich wieder erwachte, war die Hälfte des Vormittages vergangen. Ich begab mich
nach der morgendlichen Wäsche in den Speiseraum, wo Yeshua allein an einem der
Tische mit dem Rücken zu mir sass. Er begrüsste mich, bevor er sich umwandte und
mich verständnisvoll anblickte. Für eine Weile sahen wir uns tief in die Augen, ohne
ein Wort zu verlieren. Ich spürte sein Wissen und seine Anteilnahme. Er fühlte
meinen Schmerz und meine Unsicherheit. Sein sanfter Blick füllte mein Wesen aus,
seine Augen füllten sich mit Tränen und ich erblickte die Frage in ihnen.
Mit einem Male verstand ich. Er hatte unser beider Bestimmung gesehen, doch er
achtete liebevoll meine Freiwilligkeit. Ich stand vor der grössten Herausforderung
aller Leben. Es würde einen Bruch in meiner Seelenstruktur geben, doch ohne meine
Hilfe konnte mein geliebter Bruder möglicherweise seine Aufgabe nicht erfüllen.
Eine andere Seele würde sich mit ihm gewaltiges Karma aufbauen, denn es war
offenkundig, daß in diesem Drama der Täter zum Opfer würde. Ich war bereit und
Liebe und Mitgefühl füllten mein Herz, wo vorher Unsicherheit und Zweifel waren.
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Ich beantwortete seine Frage, noch bevor er sie ausgesprochen hatte. ”Ja, ich werde
dich auf deinem Schicksalsweg begleiten, Bruder.”
Seine Augen füllten sich wieder mit Tränen und er begann zu sprechen: ”Sei gewiss,
wenn deine Zeit kommt, am Ende aller Zeiten, werde ich an deiner Seite sein um mit
dir den letzten Bruch in deiner Seele zu heilen, Bruder.”
Ich las die Wahrheit seiner Worte in seinem Herzen und Vertrauen breitete sich in
mir aus. Doch ich fühlte und wusste, daß ich diesen Bruch lange mit mir tragen und
ertragen musste, bis ich ihn heilen konnte. Es würde viele Leben dauern....
Unsere Fäden würden verknüpft bleiben und das Geschenk dieses liebevollen
Freundschaftsdienstes würde sein, daß ich immer hohe Liebe in mir fühlen würde,
um jeden Schmerz und jede Verletzung in Liebe umzuwandeln, doch ich würde auch
den Schmerz anziehen, denn er würde zu dem kommen, der damit umzugehen wusste.
So sollte es geschehen und so geschah es, ich war in Einklang mit meiner
Seelenentscheidung, die aus Liebe geboren war.
Wir standen beide auf und umarmten uns innig, unsere Herzen schlugen im gleichen
Rhythmus und wir fühlten die Übereinkunft mit dem Herzen der Quelle und der Erde.
Diese Zeugen würden den Ursprung meiner Handlungen nicht vergessen.
Wir beide hatten uns bereits in Liebe vergeben, bevor die Ereignisse eintraten, in
denen jeder seine Rolle zu spielen hatte. Yeshua blickte mich an: ”Ich verneige mich
vor dir, Bruder, denn du hast die schwierigere Aufgabe gewählt.” Ich antwortete ihm:
”Bruder, ich kann deinen Weg nicht in allen Einzelheiten erkennen, doch ich weiss,
daß Du Liebe bist und das Licht in dieser Welt verkörperst.” Yeshua antwortete
ruhig: ”Damit ich dies tun kann, begibst du dich in den Schatten, um das
Gleichgewicht zu erhalten, sei gesegnet.”
Wir begaben uns nach draussen. Yeshua war noch mit unserem Küchendruiden
verabredet. Um Kochrezepte auszutauschen. Wir lachten beide über die Komik dieses
Momentes. Kosmischer Humor, der uns zeigte, daß wir nie alleine waren. Es war ein
befreiendes Lachen, das uns den Druck nahm. Wieder blickten wir uns mitfühlend an.
Danach wandten wir uns um, denn die Küche lag entgegengesetzt zu meinem Ziel.
Der Ehrwürdige Vater hatte mich gebeten, wieder einmal eine Kristallklasse zu
übernehmen.
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Auf meinem Weg zu den Unterrichtsräumen liess ich alles noch einmal vor meinem
geistigen Auge Revue passieren. Eben hatte mein Leben nochmals eine Wendung
genommen, die ich keinem noch so begabten Kristallseher als Prognose
abgenommen hätte. Ich wurde ruhiger, wenn ich an meine Steinfamilie dachte und
stimmte mich auf das Erdherz ein.
Als ich den Unterrichtsraum betrat, waren bereits alle Schüler vollzählig versammelt
und blickten mich mit einer Mischung aus Neugier, Mitgefühl und Spannung an.
Das Kollegium pflegte auf eine sehr einfühlsame Art zu unterrichten. Schüler und
Lehrer waren durch ein sehr inniges und liebevolles Band verbunden, das von
gegenseitiger Achtsamkeit, Liebe und Freude am Miteinander gewoben war. Jeder
Lehrer wusste und achtete, daß er auch von seinen Schülern lernte und so akzeptierten
wir unsere Novizen von Anbeginn als wertvolle Ergänzung der Akademie.
Sie waren nicht zufällig hier. Diese Zuwendung und Wahrnehmung spürten sie und
erwiderten sie mit liebevollem Respekt und Willigkeit, sich ihren Prozessen zu
stellen, bei denen sie jederzeit auf einfühlsame Hilfe durch ihre Lehrer rechnen
konnten.
Meine Schüler waren etwa im Alter von acht bis zwanzig Jahren und in manchen
Augen blitzte das Wiedererkennen auf. Über die Jahre hatte ich die Erfahrung
gemacht, daß diejenigen, die schon früher in der Seelenfamilie gemeinsam gearbeitet
hatten, sich einfach wiedererkannten. Es war nicht jedesmal so ein inniges
Wiedersehen, wie ich es mit Yeshua erlebt hatte, doch die Freude war immer dabei.
Jene Schüler, bei denen ich diese Anzeichen entdeckte, hingen wieder einmal
besonders an meinen Lippen und saugten jede Information in sich auf, um sich zu
erinnern. Sie mussten nicht lernen, diese Zusammenkünfte hatten den Zweck, sich zu
erinnern – Stück für Stück.
Die erste Übung, damals wie heute auch in meinen Seminaren, bestand in der
absichtsvollen Ausrichtung, die jeder Steinauswahl vorausgehen sollte. Durch diese
absichtsvolle Ausrichtung wird unser innerer Magnetismus in Gang gesetzt und wir
werden zu den Steinen hingezogen, die wir als Helfer für unsere Lebensthemen
suchen.
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Meine Schüler folgten mir in vollkommener Spannung und ich lehrte sie über die
Gefühlsebene, sich entsprechend auszurichten. Als sie diese Lektion verinnerlicht
hatten, wussten sie, wie es sich anfühlt, sich auszurichten und frei von Zweifeln den
passenden Stein zu finden. Bevor wir zur nächsten Übung kamen, wollten wir in der
Natur nach Steinen für die nächste Übung suchen. Als ich mich der Tür zuwandte,
lehnte dort Yeshua, der aufmerksam zugehört hatte. Er blickte mich mit Freude und
Anerkennung an und sagte: ”Es ist schön zu sehen und zu fühlen, mit wieviel
Einfühlsamkeit und Freude du deine Schüler unterweist. Sie lieben Dich.”
Ich antwortete: ”Ich liebe sie ebenso und sie sind mir vom ersten Moment ans Herz
gewachsen. Bei einigen erkenne ich immer wieder alte Weggefährten und kann unsere
gemeinsamen Lebensfäden im Grossen Gewebe zurückverfolgen.”
Er nickte beistimmend: ”Ja wir waren und sind uns immer wieder Lehrer und
Schüler, Eltern und Kinder, Freunde und Weggefährten, gleichgültig, welche
Lektionen wir uns anbieten, es gab nie einen Grund, anders als friedvoll und achtsam
miteinander umzugehen.”
Ich blickte ihn fragend an und Yeshua begann zu lachen: ”Ich sehe, du erinnerst dich
gerade, dass ich Unterweisung beim Runenmeister haben sollte, doch er bereitet ein
wichtiges Ritual vor. Er und die Meisterin der meditativen Gravur sind dabei, für ein
Ritual mit der Hohepriesterin von Avalon Steine mit Lebensmustern und Runen zu
bearbeiten.”
Ich verstand. Selbst für so einen hohen Gast wie Yeshua blieben besondere Anlässe
im Vordergrund der druidischen Arbeit. Ich lud ihn ein, sich uns für die Fortsetzung
unserer Arbeit anzuschliessen und er willigte freudig ein.
Bevor wir uns alle zusammen auf den Weg zur Steinsuche machten, wurde jeder
Schüler an seine Lebensthematik herangeführt. Yeshua und ich widmeten uns
gemeinsam dem Aufspüren der Lebensfäden und durch gezielte Fragen brachten wir
die Klasse zu den Erkenntnissen, die sie als Ausrichtung für die Suche mitnahm.
Wir alle hatten Spass und Freude an dieser spielerischen Art, uns mit wichtigen
Anliegen des Lebens auseinanderzusetzen. Darüberhinaus erwarteten alle jetzt schon
mit Ungeduld die weiteren Lektionen des Druidenkollegen, der sie im Erkennen des
Lebensfadens schulte.
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So weckten wir immer wieder gegenseitig das Interesse an den Lektionen der anderen.
Jeder sollte fünf Steine mitbringen, wobei immer vorher bei dem Stein und dem
feinstofflichen Naturbegleiter abzufragen war, ob dieser Stein sich für die Arbeit zur
Verfügung stellte oder ob er in der Natur eine wichtige Funktion innehatte.
Einer der Schüler hatte bei einem Stein vergessen zu fragen und stolperte prompt
über einen anderen Stein. Es war für alle ein Grund zum Lachen, trotzdem hatten alle
die Lektion gelernt. Selbstverständlich wurde der Stein achtsam und mit Dank
zurückgebracht. Es war kein Auslachen in diesen Momenten, denn jeder wusste, dass
der Mitschüler eben eine Erfahrung machte, von der alle Nutzen zogen. Es war ein
gemeinsames Lachen, in das auch die Natur einstimmte und so blieb die Freude und
Gemeinsamkeit erhalten.
Wir machten uns bald darauf auf den Rückweg, da jeder seine Steine für sein Thema
gefunden hatte. Als wir kurz darauf wieder den Unterrichtsraum betraten, fühlte ich,
daß sich etwas verändert hatte. Ich blickte zu Yeshua, der meinen fragenden Blick
aufnahm und nur kurz mit dem Kopf nickte. Ein Spannungsbogen hatte sich
aufgebaut, den nun auch die einfühlsamen Schüler wahrnahmen und uns wiederum
fragend anblickten. Yeshua ging kurz in sich und verliess dann den Raum mit
Zielrichtung auf die Hauptgebäude.
Ich liess inzwischen jeden Schüler ein Quadrat mit vier der Steine als Ecksteine
auslegen. Zwei Steine bildeten jeweils eine Seite, die genau auf eine der vier
Himmelsrichtungen ausgerichtet war. Die Quadrate mussten so ausgerichtet sein,
dass sie sich im Raum zu einem Würfel ergänzen liessen, in dem der Schüler noch
Kopffreiheit besass. Ein Teil der Schüler ging nach draussen, da nicht alle Platz
hatten.
Zunächst erklärte ich allen die Bewandtnis der Seiten:
Die Seite gen Sonnenaufgang war die Heimat des Geistes, aus dieser Seite kamen
gedankliche Impulse und Ideen auf unsere Fragen, die wir im Würfel stellen wollten.
Wenn wir uns um neunzig Grad nach rechts drehten, blickten wir in die Heimat des
Herzens. Dort erhielten wir Gefühlsimpulse auf unsere Fragen.
Blickten wir auf die Seite gen Sonnenuntergang, gab uns die Heimat unseres Körpers
über Körperzeichen Antworten auf Fragen und Ungleichgewichte.
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Schliesslich blickten wir nach Norden in die Heimat unserer Seele, die uns Bilder,
Gefühle und Gedanken zu unserer Bestimmung senden würde. Im Norden wollten wir
mit der Befragung beginnen und mit dieser Seite würde die Übung auch beendet
werden.
Ich erklärte den Schülern nun noch die Funktion des Würfels, der numerologisch für
die sechs steht. Die Sechs ist die Zahl des inneren und äusseren Gleichgewichtes.
Gleichzeitig sassen sie auf einer quadratischen Grundfläche. Das Quadrat steht für die
Vier, die Strukturzahl, um Form in die Materie zu bringen.
Jeder Schüler erhielt nun noch je ein Stück weissen und dunklen Quarz, das er vor
sich auf die Seitenlinie legen sollte. Das klare, helle Stück diente der Klarheit der
Erkenntnis der Antwort, das dunkle Stück sollte Klarheit in den Schattenbereich
bringen und die Hindernisse deutlich ins Bewusstsein heben. Den fünften Stein
sollten sie in der Hand behalten, einerseits um den Kontakt zur Erde zu behalten,
andererseits, um ihr Hauptanliegen nicht zu vergessen und schliesslich, um alle
Vorbehalte und Bewertungen loszulassen und den Antworten Raum zu geben.
Die Übung begann und schon kurz darauf stellten sich die ersten Reaktionen ein.
Einige hatten die Grundfläche zu klein gestaltet und ragten mit dem Kopf aus dem
gedachten Würfel. Sie bekamen Beklemmungsgefühle und Schluckbeschwerden, da
sich ihr innerer, kristalliner Körper nicht in den Würfel ausdehnen konnte. Wir
behoben gemeinsam die Probleme. Dann gab es die ersten Reaktionen auf die Bilder
und alle erkannten, wie wohltuend sich der Würfel bezüglich des Gleichgewichtes
auswirkte, denn nicht alle Bilder waren auf den ersten Blick bewertungsfrei
anzunehmen.
Ich durfte gleichzeitig immer wieder erkennen, wie sich durch diese Arbeit die Farben
in den Lebensfäden und Geweben veränderte. Es war schon sehr dämmerig und wir
beschlossen, die Übung am nächsten Morgen fortzusetzen. Wir bedankten uns bei
Erde und Himmel und begaben uns gemeinsam zum Speiseraum.
Dieser hatte sich heute besonders angefüllt, da der ”Küchenchef”, wohl dank Yeshuas
Anregungen von seinen Reisen, etwas Neues ausprobiert hatte, was sich natürlich
keiner entgehen lassen wollte in dem eher eintönigen und vielfach gewürzlosen
Speisenangebot jener Zeit.
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Auch wenn Place dabei schon eine grosse Ausnahme darstellte.
Etwas abseits sassen der Erzdruide, Yeshua und – Josef! Er war also schon früher
zurück. Wir waren gerade im Dritten Mond und hatten ihn nicht vor Beltane
zurückerwartet. Ich fühlte, daß der Spannungsbogen, den wir wahrgenommen hatten,
von seiner frühzeitigen Ankunft herrührte.
Josef trug einen bekümmerten Gesichtsausdruck und ich erkannte starke Anteilnahme
in den Gesichtern der beiden anderen. Sie waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie
unser Kommen nicht wahrgenommen hatten. Für einen kurzen Augenblick fühlte ich
in die Runde, ob ich willkommen war oder lieber später hinzukommen sollte, doch
ich erhielt den Impuls, mich ebenfalls an dem Tisch niederzulassen. Also näherte ich
mich achtsam und blieb verstärkt empfänglich für alle Impulse.
Beim Näherkommen verdichtete sich die Spannung, doch als die drei meiner
ansichtig wurden, wich sie fürs Erste.
Josef und ich begrüssten uns, trotz seiner Anspannung, mit einer herzlichen
Umarmung und für eine Weile kehrte der gewohnt gütige und sanfte Blick in seine
Augen zurück.
Die anderen beiden begrüsste ich mit einem kurzen, aber herzlichen Blick und einem
stillen Nicken, das sie auf die gleiche Weise erwiderten. Auch ihre Gesichter und ihre
Haltung entspannten sich nun wieder.
Josef erzählte mir auf Lateinisch in kurzen Sätzen, warum er früher, als erwartet,
zurückgekehrt war. In Palästina stand es nicht zum Besten und der Widerstand gegen
die römische Besatzungsmacht wuchs ständig. Diese ließ kaum eine Gelegenheit aus,
um sich schadlos zu halten und die Menschen dort ständigem Druck auszusetzen.
Josef hoffte, dass Yeshua dort etwas verändern könne, allein durch seine
Anwesenheit. Yeshua war lange Jahre fort gewesen und seine Familie hoffte
ebenfalls, er würde bald zurückkehren. Josef wollte so bald wie möglich die
Rückreise antreten.
Yeshua blickte mich über den Tisch hinweg an. Nun kehrte auch in mein Wesen
Bekümmerung ein, denn ich erkannte, daß der Abschied nun doch kurz bevorstand.
Ich hatte mir noch etwas Zeit hier gewünscht, aber die Ereignisse nahmen jetzt ihren
Lauf und hatten ihre eigene Dynamik.
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